Lebenserwartung, Körperbau, Rassen und die besonderen Sinne der Alpakas.
Bei guter Pflege begleiten Alpakas ihre Halter viele Jahre.
Perfekt angepasst an das Leben in großer Höhe.
Diese Gesamtübersicht zeigt auf einen Blick, wie stimmig der Körperbau des Alpakas auf ein Leben in großer Höhe abgestimmt ist: spitze, wachsame Ohren, ein weiches, im Oberkiefer zahnloses Maul, ein langer Hals auf sieben Halswirbeln, ein dichtes, seidig-warmes Vlies, der schon erwähnte Drei-Kammer-Magen sowie gepolsterte, hufelose Füße. Rechts daneben sind zusätzlich die inneren Anpassungen an die dünne Höhenluft dargestellt: die stark vergrößerte Lungenoberfläche, die elliptischen, sauerstoffbindenden roten Blutkörperchen und die im Vergleich zum Menschen deutlich nach links verschobene Sauerstoffbindungskurve des Hämoglobins.
Das Skelett eines ausgewachsenen Alpakas besteht aus rund 206 einzelnen Knochen — zufälligerweise genau wie beim Menschen. Es trägt den charakteristisch langen Hals, den schlanken Rumpf und die kräftigen, aber leichten Beine, die dem Alpaka seine Wendigkeit im steilen Andengelände verleihen. Klicken Sie auf das Bild, um die einzelnen Knochengruppen in einer interaktiven Ansicht zu erkunden — mit dem Mauszeiger über die markierten Punkte fahren, um jeweils eine genaue Beschreibung samt Knochenanzahl zu erhalten.
Der lange, geschwungene Hals ruht auf sieben verlängerten Halswirbeln — genauso vielen wie bei den meisten Säugetieren, nur deutlich gestreckter. So kann das Alpaka den Kopf weit über die Rückenlinie der Herde erheben und das offene, oft baumlose Gelände der Hochebenen nach Fressfeinden wie Puma oder Andenwolf absuchen. Der schmale, keilförmige Kopf mit seitlich stehenden Augen erweitert das Blickfeld zusätzlich, sodass ein wachsames Tier die ganze Umgebung im Auge behält, während die übrige Herde in Ruhe weiterfrisst.
Anstelle von Hufen tragen Alpakas an jedem Fuß zwei Zehen mit weichen, elastischen Sohlenballen und nur einem kleinen Nagel an der Zehenspitze. Dieses Fundament dämpft jeden Schritt, sorgt für einen federnden, fast lautlosen Gang und verteilt das Körpergewicht schonend — selbst auf steinigem Untergrund. Für Weidebetriebe ist das ein handfester Vorteil: Anders als Rinder oder Pferde mit Hufen zertreten Alpakas die Grasnarbe kaum, was sie ideal für empfindliche Flächen und Hanglagen macht. Weil sich die Nägel auf weichem Boden kaum abnutzen, werden sie von Haltenden meist zweimal jährlich nachgeschnitten.
Im Oberkiefer besitzen Alpakas keine Schneidezähne, sondern eine feste, mit Hornhaut überzogene Kauplatte, gegen die die vier unteren Schneidezähne beim Rupfen von Gräsern arbeiten. Der einzige Zahnwechsel findet erst im Alter von etwa zweieinhalb bis fünf Jahren statt. Bei Hengsten wachsen zusätzlich scharfe, hakenförmige „Kampfzähne" heran, mit denen sich Rivalen bei Rangkämpfen ernsthaft verletzen können. Sie brechen ab etwa 2 bis 2,5 Jahren durch und sollten erstmals im Alter von 3 bis 4 Jahren tierärztlich gekürzt werden, danach in der Regel jährlich — oft im Rahmen der Schur und stets unter Sedierung. Bei Wallachen oder Hobbyhengsten ohne Deckeinsatz und Stutenkontakt ist das Kürzen meist nicht nötig.
Alpakas gelten als Pseudo-Wiederkäuer: Sie kauen ihr Futter wie echte Wiederkäuer erneut durch, besitzen aber nur einen einzigen Magen, der in drei ineinander übergehende Kammern gegliedert ist, statt vier getrennter Mägen wie bei Rindern. Diese Anatomie ist auf karges, faserreiches Andengras zugeschnitten: Mikroorganismen zersetzen Zellulose besonders effizient, und das Futter verweilt deutlich länger im System als bei anderen Wiederkäuern. Zugleich wird ein Großteil des Wassers zurückgewonnen — eine Anpassung, die den Tieren erlaubt, mit sehr wenig Trinkwasser in den trockenen Höhenlagen auszukommen.
Je nach Durchmesser ist die Alpakafaser unterschiedlich stark „medulliert", besitzt also einen feinen, teils luftgefüllten Kern. Bei sehr feinen Fasern wie der begehrten Baby-Alpaka-Qualität (etwa 21 bis 26 Mikron) ist dieser Hohlraum kaum vorhanden — gerade das macht sie so weich; gröbere Fasern sind stärker medulliert und dadurch wärmer, aber weniger geschmeidig. Die mikroskopisch feine Schuppenschicht liegt bei nur rund 0,4 Mikrometer Höhe, gegenüber etwa 0,8 Mikrometer bei Schafwolle — daher fühlt sie sich so angenehm glatt an. Insgesamt reicht das Spektrum eines Alpakavlieses von rund 13 bis 30 Mikron, vom edelsten Cria-Fell bis zur gröberen Faser älterer Tiere.
In den Höhenlagen der Anden, oft über 4.000 Metern, steht deutlich weniger Sauerstoff zur Verfügung als auf Meereshöhe. Alpakas begegnen dem mit einer ungewöhnlich hohen Sauerstoffaffinität ihres Hämoglobins: Ihr Blut ist schon bei einem Sauerstoffpartialdruck von etwa 20 bis 22 mmHg zur Hälfte gesättigt, während die meisten Säugetiere dafür 27 bis 42 mmHg benötigen. Möglich wird das auch durch die elliptische, kernlose Form ihrer roten Blutkörperchen, die zudem widerstandsfähiger gegenüber Belastung ist als bei anderen Tieren. Zusammen mit einer geringeren Blutviskosität sorgt dieses Zusammenspiel dafür, dass selbst in dünner Höhenluft genügend Sauerstoff im Gewebe ankommt.
Zwei Faser-Typen des Alpakas — und der eng verwandte Lama im direkten Vergleich.
Rund 90 % aller Alpakas weltweit gehören dieser Rasse an. Ihre Faser wächst gekräuselt und steht vom Körper ab — dadurch wirken Huacaya-Alpakas kuschelig und wollig.
Erkennen lässt sich ein Huacaya auf den ersten Blick an seiner runden, kompakten Silhouette: Die Faser wächst senkrecht vom Körper weg statt in Strähnen herabzuhängen, wodurch die Tiere an große, flauschige Teddybären erinnern und deutlich voluminöser wirken als ihre Suri-Verwandten. Charakteristisch ist die feine, gleichmäßige Kräuselung (Crimp) der einzelnen Fasern, die dem Vlies seine bauschige Fülle verleiht und gleichzeitig hervorragend Luft speichert — ein natürlicher Isolationseffekt, der Huacayas auch optisch dichter und wärmer wirken lässt. Anders als beim Suri gibt es keinen sichtbaren Rückenscheitel: Das Fell bedeckt Kopf, Hals, Rumpf und Beine gleichmäßig dicht und ohne erkennbare Strähnenbildung, was dem ganzen Tier ein rundliches, „gepolstertes" Erscheinungsbild verleiht. Wer ein Huacaya und ein Suri nebeneinander sieht, erkennt den Unterschied meist sofort: Während das Huacaya kompakt, wollig und schafähnlich wirkt, erscheint das Suri mit seinen glänzenden, herabhängenden Locken schlanker, glatter und eleganter.
Nur rund 10 % aller Alpakas weltweit sind Suri — damit ist diese Rasse deutlich seltener als der Huacaya. Namensgebend ist die südamerikanische Bezeichnung „Suri" für die charakteristischen, in feste Strähnen fallenden Locken, die vom Rückenscheitel aus beidseitig herabhängen und dem Tier ein schlankes, fast elegant fließendes Erscheinungsbild verleihen — ein deutlicher Kontrast zur runden, wolligen Silhouette des Huacaya.
Anatomisch unterscheidet sich vor allem die Struktur der Faser: Anders als beim Huacaya fehlt der Suri-Faser die feine Kräuselung (Crimp), und ihre Schuppenschicht liegt zudem enger am Faserkern an. Dadurch reflektiert die Faser mehr Licht und erhält den seidigen Glanz, der Suri-Vlies so begehrt macht. Da die Locken kaum Luft speichern, isolieren sie etwas schwächer als das voluminöse Huacaya-Vlies, wachsen dafür aber im Schnitt schneller und länger zwischen den jährlichen Scheren. Auf dem Textilmarkt gilt Suri-Faser als besonders edel und wird bevorzugt zu glänzenden, fließenden Stoffen sowie hochwertigen Garnen verarbeitet — entsprechend höher liegt in der Regel auch der Marktwert reinrassiger Suri-Tiere gegenüber Huacayas vergleichbarer Qualität.
Das Lama (Lama glama) ist kein Alpaka, sondern eine eigenständige, eng verwandte Kamelart, die ebenfalls vom wilden Guanako abstammt. Auf den ersten Blick fällt vor allem die Größe auf: Mit einer Schulterhöhe von etwa 110 bis 120 cm und einem Gewicht von 130 bis 200 kg ist ein ausgewachsenes Lama deutlich größer und schwerer als ein Alpaka, das meist nur 80 bis 100 cm Schulterhöhe und 55 bis 85 kg auf die Waage bringt.
Auch äußerlich lassen sich beide Arten gut unterscheiden: Lamas haben deutlich längere, meist nach außen gebogene „bananenförmige" Ohren, ein längeres, schmaleres Gesicht und einen insgesamt schlankeren Körperbau. Ihr Vlies besteht aus zwei Schichten — einer feinen Unterwolle und gröberen Deckhaaren — und wurde historisch vor allem auf Kraft und Ausdauer als Last- und Tragtiere gezüchtet, während Alpakas gezielt auf feinste Fasern hin selektiert wurden. Entsprechend werden Lamas bis heute häufig als Wander- und Tragtiere, aufmerksame Herdenschützer für Alpakas oder als sehr menschenbezogene Begleittiere gehalten.
Große, seitlich stehende Augen ermöglichen einen fast rundum offenen Blickwinkel — wichtig zur Feinderkennung.
Bewegliche Ohren erfassen selbst leise Geräusche in der weiten Andenlandschaft.
Die gepolsterten Füße erlauben sicheren Halt auf steinigem, unebenem Terrain.
Alpakas nehmen Stimmungen in der Herde und bei Menschen sehr genau wahr.