Eine Geschichte, die vor Jahrtausenden im Hochland Südamerikas begann.
Alpakas stammen aus dem Hochland der Anden — vor allem aus Peru, Bolivien, Chile und Ecuador. Dort leben sie in Höhen von 3.500 bis 5.000 Metern, wo dünne Luft, starke Sonneneinstrahlung und kalte Nächte herrschen.
Bis heute lebt der Großteil der weltweiten Alpaka-Population in Peru, das als eigentliches Ursprungsland gilt.
Die Anden sind riesige, hohe Berge in Südamerika. Alpakas leben oft ganz weit oben — manchmal auf 5.000 Metern. Das ist viel, viel höher als die höchsten Berge in Deutschland! Dort oben ist die Luft dünn, das heißt: Es gibt weniger Sauerstoff zum Atmen. Alpakas macht das nichts aus, denn sie haben eine große Lunge, die ihnen hilft, gut Luft zu holen.
Tagsüber scheint die Sonne sehr stark, und es kann richtig warm werden. Nachts wird es dann eiskalt — manchmal gefriert sogar das Wasser! Diesen großen Unterschied zwischen Tag und Nacht übersteht das Alpaka locker, denn es trägt ein dickes, kuscheliges Fell — wie eine eingebaute Winterjacke, die es immer anhat.
Auch steiniger, steiler Boden macht Alpakas keine Sorgen: Ihre weichen, gepolsterten Füße geben sicheren Halt, ganz ohne Ausrutschen. Deshalb fühlen sich Alpakas in den Anden pudelwohl — die Berge scheinen wie für sie gemacht zu sein!
Indigene Völker der zentralen Anden domestizierten das Alpaka aus dem wildlebenden Vikunja — einem der beiden wilden Kamelarten Südamerikas. Genetische Untersuchungen bestätigen diese Abstammungslinie.
Damit zählt das Alpaka zu den ältesten domestizierten Nutztieren Amerikas, gezüchtet vor allem wegen seiner feinen Faser.
Schau mal diese flauschigen Tiere auf dem Bild! Das sind wilde Vikunjas. Sie leben frei in den hohen Bergen der Anden in Südamerika. Mit ihrem weichen, goldenen Fell und den großen Augen rennen sie schnell und scheu über die grünen Wiesen vor den schneebedeckten Gipfeln.
Vor vielen tausend Jahren haben die Menschen in den Anden den Vikunja gezähmt. Daraus ist das Alpaka entstanden, das wir heute kennen. Die wilden Vikunjas sind die stolzen Vorfahren und leben immer noch frei in der Natur!
Alpakas haben Verwandte! Sie gehören zur großen Familie der Kamele. Ihre engsten Verwandten sind das Lama, der Guanako und der Vikunja. Alle vier sehen sich ziemlich ähnlich — aber jedes Tier ist auf seine eigene Art besonders.
Unser flauschiger Freund — gezähmt vor rund 6.000 Jahren, vor allem wegen seiner besonders weichen Wolle.
Größer als das Alpaka und ein starker Helfer: Lamas tragen oft schwere Lasten über die Berge.
Der wilde Verwandte des Alpakas. Sein Fell zählt zu den feinsten und teuersten Wollarten der Welt.
Der wilde Verwandte des Lamas — er lebt frei in der Natur, genau wie der Vikunja.
Ein spannendes Geheimnis: Alle vier Tiere können sich sogar untereinander kreuzen! Das zeigt, wie eng sie wirklich miteinander verwandt sind.
Weit mehr als Nutztiere — ein fester Bestandteil andiner Weltanschauung.
Im Inkareich galten Alpakas als Zeichen von Reichtum und gesellschaftlichem Rang — wer viele Tiere besaß, genoss hohes Ansehen. Aus ihrer feinsten Faser webten spezialisierte Handwerker:innen die berühmten Cumbi-Textilien, deren Tragen zu Lebzeiten dem Adel und dem Sapa Inka selbst vorbehalten war. Die kostbarsten Stoffe übertrafen im Wert sogar Silber und Gold: Sie dienten als Zahlungsmittel, zur Besoldung des Heeres und zur Begleichung von Abgaben an das Reich. Die Herden selbst galten größtenteils als Eigentum des Staates und der Tempel — ihre Pflege war eine der zentralen Tributpflichten der Andenvölker.
In vielen Andengemeinschaften spielen Alpakas bis heute eine zentrale Rolle bei Ritualen zu Ehren der Erdmutter Pachamama. Besonders am 1. August, dem traditionellen „Tag der Pachamama“, bereiten Familien ein Despacho vor — ein kunstvoll gebundenes Opferbündel aus Blumen, Koka-Blättern, Samen, Süßigkeiten und Alpakafett, das vergraben oder verbrannt wird, um für die Fruchtbarkeit von Herden und Feldern zu danken. Schon zu Inka-Zeiten fertigten Priester kleine Steinfiguren in Alpaka- und Lamaform, sogenannte Conopas oder Illas, mit einer Vertiefung im Rücken, die mit Koka-Blättern, Tierfett und Maiskörnern gefüllt und in den Ställen vergraben wurde — als Bitte um Schutz und eine wachsende Herde. In manchen Zeremonien dienten Alpakas selbst als Opfertiere, ein Brauch, der die tiefe spirituelle Verbindung zwischen Mensch, Tier und Erdmutter in der Andenkultur widerspiegelt.
Alpaka- und Lama-Motive prägen die Andenkunst schon seit vorinkaischer Zeit: Bereits die Kulturen von Paracas, Nazca und Chavín webten aus feiner Kamelidfaser kunstvolle Textilien und formten Keramikgefäße mit stilisierten Tierfiguren — Jahrhunderte, bevor die Inka ihre berühmten Cumbi-Stoffe schufen. In den komplexen geometrischen Webmustern, den sogenannten Tocapu, verschlüsselten Andenvölker gesellschaftliche und religiöse Botschaften, in denen Kamelidfiguren immer wieder auftauchen. Selbst am Nachthimmel fand das Tier seinen Platz: Aus den dunklen Staubwolken der Milchstraße lasen die Inka die Gestalt eines himmlischen Lamas heraus, Yacana genannt, dessen Augen die Sterne Alpha und Beta Centauri bildeten. Der Mythos erzählte, Yacana steige nachts vom Himmel herab, um aus Flüssen und Seen zu trinken, und sichere so den Wasserkreislauf und die Fruchtbarkeit der Herden — eine Vorstellung, die Hirtinnen und Hirten im Andenhochland bis heute kennen. Auch in Schmuck wie den silbernen Tupu-Nadeln und in der zeitgenössischen Handwerkskunst der Q'ero-Gemeinschaften leben die traditionellen Alpaka-Motive bis heute fort.
Für viele Familien in den Höhenlagen Perus und Boliviens sichern Alpakas nach wie vor Einkommen und Tradition zugleich. Peru beherbergt über 87 Prozent des weltweiten Alpakabestands — mehr als 4 Millionen Tiere — und exportiert jährlich Alpakaprodukte im Wert von rund 200 Millionen US-Dollar. Von diesem Millionengeschäft profitieren die mehr als 82.000 Alpaqueros, die die Tiere hüten und scheren, jedoch nur wenig: Die Wolle eines einzelnen Alpakas bringt ihnen gerade einmal etwa 20 US-Dollar pro Jahr ein, während wenige große Handelsunternehmen den Weiterverkauf und die Gewinnspannen dominieren. Meist kümmern sich die Frauen der Familien um Herde und Spinnerei, während die Männer zusätzlich in Städten oder im Tourismus arbeiten, um über die Runden zu kommen. Dürren und ungewöhnliche Kälteeinbrüche durch den Klimawandel bedrohen zunehmend die Weideflächen und damit die Existenzgrundlage der Alpaqueros — weshalb einige Gemeinden inzwischen auf Wiederaufforstung und traditionelle Wasserrückhaltebecken setzen, um sich zu wappnen.
Eine noch junge Geschichte: Die ersten Alpakas erreichten Deutschland erst vor rund 25 bis 30 Jahren.
Erste Kontakte: Deutsche Landwirtschaftspioniere lernen bei Reisen in die USA Lamas kennen — der erste Funke einer späteren Leidenschaft für Neuweltkameliden.
Die Entdeckung: Alpakas gelten hierzulande noch als exotische Rarität. Erste Interessierte recherchieren intensiv zur Zucht und besuchen Betriebe im Ausland.
Die erste dokumentierte deutsche Herde: In Sachsen wird die erste größere Alpakaherde Deutschlands gekauft — 17 Stuten, denen im selben Jahr die ersten zehn Fohlen folgen.
Großer Import aus Chile: 46 Alpakas erreichen Deutschland, darunter die erste Suri-Herde des Landes. Das erste deutsche Alpakafest lockt bereits über 2.000 Besucher an.
Gründung des Fachverbands: Der Alpaka Zucht Verband Deutschland e.V. (AZVD) wird von 13 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen — bis heute die zentrale Interessenvertretung der deutschen Alpakazucht.
Wachstumsjahre: Weitere große Importe aus Chile und Peru folgen, deutsche Züchter etablieren sich international, erste Erfolge auf Zuchtschauen — und Alpakas werden zunehmend auch als Therapietiere eingesetzt.
Alpakas werden zum „Trendtier“: Die Bestandszahlen in Deutschland vervierfachen sich innerhalb weniger Jahre, mediale Aufmerksamkeit und Nachfrage nach Alpakaprodukten steigen deutlich.
Ein etablierter Nischenmarkt: Schätzungen zufolge leben in Deutschland mittlerweile 15.000 bis 20.000 Alpakas und Lamas, verteilt auf mehrere hundert überwiegend kleine Höfe.
Anders als bei klassischen Nutztieren stand in Deutschland von Anfang an nicht die Fleisch- oder Milchproduktion im Vordergrund. Die ersten Züchter:innen waren fasziniert von der Exotik, der sanften Wesensart und der außergewöhnlich feinen Faser der Tiere. Hinzu kam ein wirtschaftlicher Reiz: In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren waren Zuchttiere aufgrund ihrer Seltenheit sehr wertvoll, was den Einstieg für landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe attraktiv machte.
Mit der Zeit traten weitere Gründe hinzu: Alpakas eignen sich gut zur schonenden Landschaftspflege, da sie im Gegensatz zu Schafen oder Ziegen Gräser nicht mitsamt der Wurzel abfressen. Ihr ruhiges, neugieriges Wesen machte sie zudem zu gefragten Therapietieren sowie zu beliebten Attraktionen bei Alpakawanderungen und auf Erlebnishöfen. Die Wollproduktion selbst spielt in Deutschland dagegen bis heute nur eine untergeordnete Rolle — die hierzulande jährlich gescherte Menge an Alpakafaser ist im internationalen Vergleich verschwindend gering.
Von den ersten Tieren bis zum heutigen Nischenmarkt — Wachstum und regionale Verteilung im Überblick.
Geschätzter Gesamtbestand an Alpakas und Lamas in Deutschland
1989: erste Lama-Kontakte in den USA, noch keine Tiere in Deutschland. 1999: erste dokumentierte deutsche Herde. Ab 2008 gerundete Schätzwerte auf Basis von Verbands- und Presseangaben. Quellen: Zauberland Alpakas, PETA Deutschland, Gauly (zit. n. Neubert et al. 2021, Animals 11(1):102).
Anteil der Betriebe in einer bundesweiten Halter-Umfrage
Basis: Online-Umfrage unter 255 Lama- und Alpakahaltenden (Februar–März 2020) — keine amtliche Vollerhebung, aber die bislang detaillierteste verfügbare Quelle. Quelle: Neubert, von Altrock, Wendt & Wagener (2021), Animals 11(1):102.
Auch jenseits Deutschlands hat sich seit den späten 1980er-Jahren ein europäischer Alpaka-Markt entwickelt — mit dem Vereinigten Königreich als größtem Einzelmarkt.
Geschätzter Gesamtbestand an Alpakas in Europa (inkl. UK)
1989: erste vereinzelte Privathaltungen, vor allem in Großbritannien, nach den ersten kommerziellen Importen aus Chile (ab 1984) und Peru (ab 1991). Grobe, gerundete Schätzwerte auf Basis von Verbands- und Presseangaben — eine amtliche EU-weite Erhebung existiert nicht. Quellen: Zauberland/Sachsen Alpakas, British Alpaca Society (zit. n. Middleton et al. 2024, Veterinary Record), Alpaka ZV Österreich.
Geschätzter Anteil am europäischen Gesamtbestand
„Übriges Europa" umfasst u.a. Frankreich, die Schweiz, Skandinavien, die Benelux-Staaten, Polen, das Baltikum, Italien und Spanien — für diese Länder liegen keine belastbaren Einzelzahlen vor. Quellen: Middleton et al. (2024), Veterinary Record (UK); Neubert et al. (2021), Animals 11(1):102 (Deutschland); Alpaka ZV Österreich; Zauberland/Sachsen Alpakas.
Zu einer ehrlichen Betrachtung gehört auch der Blick auf kontroverse Stimmen — hier die zentralen Kritikpunkte der Tierrechtsorganisation PETA.
Laut PETA wurden Alpakas so gezüchtet, dass sie — anders als ihr wilder Verwandter, der Vikunja — keinen natürlichen Fellwechsel mehr haben und dauerhaft auf die jährliche Schur durch den Menschen angewiesen sind.
Eine Untersuchung der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt: Cortisolspiegel, Herzschlag und Puls steigen während der Schur deutlich an. In verdeckten Recherchen von PETA USA — u.a. auf der Großfarm Mallkini in Peru — wurden zudem grobe Fixierung, Verletzungen und fehlende Schmerzbehandlung dokumentiert.
Dazu zählen laut PETA die betäubungslose Kastration, künstliche Befruchtung sowie das Kürzen von Zähnen und die Kennzeichnung durch Einschnitte in die Ohren.
Die natürliche Lebenserwartung liegt bei 15 bis 20 Jahren — in der Wollindustrie würden Tiere laut PETA meist schon mit 7 bis 8 Jahren getötet. Nach dem Higg Index zählt Alpakawolle zudem zu den umweltschädlichsten Textilien.
Züchter:innen und Branchenvertreter:innen widersprechen der PETA-Darstellung in wesentlichen Punkten:
Wie bei den meisten Fragen der Nutztierhaltung liegt die Wahrheit vermutlich zwischen den Polen: Die von PETA dokumentierten Missstände auf industriellen Großfarmen sind belegt und sollten nicht verharmlost werden — daraus lässt sich aber nicht automatisch ableiten, dass jede Form der Alpakahaltung, insbesondere kleine deutsche Höfe mit wenigen Tieren, denselben Bedingungen unterliegt. Wer sich eine eigene Meinung bilden möchte, sollte beide Seiten kennen.
Quellen: PETA Deutschland e.V. (peta.de) · Alpakas Rednitzhembach · Zauberland Alpakas / Sachsen Alpakas (alpacas.de) · Alpakin Blog. Angaben ohne Gewähr, Stand der Recherche: Juli 2026.